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  1. Die »Elfenzeit« in einer Neuauflage – Teil 2

    Im Juli 2020 beginnt Uschi Zietsch-Jambor – den PERRY RHODAN-Lesern vor allem unter ihrem Pseudonym Susan Schwartz bekannt – damit, die »Elfenzeit«-Serie im eigenen Verlag neu zu veröffentlichen. Aus diesem Grund stellte Michael Marcus Thurner, ihr Autorenkollege, ihr einige Fragen. Das Interview bringen wir seiner Länge wegen in zwei Teilen: gestern Teil eins, heute Teil zwei.   Michael Marcus Thurner: Die Bücher sind im Print ursprünglich beim Bertelsmann-Buchclub erschienen und waren ohne Club-Mitgliedschaft gar nicht so leicht zu bekommen. Durch deine Neuausgabe korrigierst du nun diesen »Fehler«. Mich würde interessieren, inwieweit du bei der Neuausgabe in die Texte eingegriffen hast und wie nahe du an der ursprünglichen Ausgabe drangeblieben bist. Uschi Zietsch-Jambor: Ich habe ein wenig modernisiert, damals gab es ja gerade erst sehr frisch Smartphones und beispielsweise noch gar kein WhatsApp, all diese Dinge eben. Die Serie war und ist zwar zu keiner festen Zeit angesiedelt – also in jedem Fall Prä-Corona –, aber soll doch nicht zu veraltet daherkommen. Das erforderte aber nur wenige Eingriffe. Ansonsten habe ich auf damalige Lesermeinungen reagiert und behutsam ein paar zu finstere Szenen entschärft, vor allem aber einige wenige Ungereimtheiten geglättet, die uns trotz der genauen Durchsicht von nicht weniger als fünf Personen nach Abgabe des jeweiligen Autors entgangen waren. Nur Kleinigkeiten, die kaum jemandem oder gar nicht auffielen, aber dadurch wird es stimmiger. Mit Fortgang der Serie ab Band fünf werden die Eingriffe ohnehin immer weniger, weil das Autorenteam eingespielt war und sich eingefühlt hatte, in welche Richtung wir eigentlich wollten. Neu sind allerdings die Ergänzungen. Wir haben auch für diese Ausgabe freundlicherweise die Karte zur Verfügung gestellt bekommen, dazu gibt es in Band 1 einen Überblick, ab Band 2 »Was bisher geschah« und ebenso fortlaufend ab Band 1 die »Dramatis personae«. Außerdem finden sich Anhänge, die mehr über die Elfen, die Anderswelten und weitere Hintergründe erzählen. Und natürlich gibt es einen Ausblick auf den jeweils folgenden Band.   Michael Marcus Thurner: Ein Band der Serie wird zur Gänze neu geschrieben. Jana Paradigi wird jenes Buch, das ursprünglich »Merlins Erwachen« hieß, neu verfassen. Wie groß werden in diesem Teilband die inhaltlichen Veränderungen im Vergleich zum Ersttext sein? Uschi Zietsch-Jambor: Es handelt sich dabei um den elften Roman. Im Vergleich zum Ersttext gibt es keine Übereinstimmung. Die Haupthandlung in der Vergangenheit ist komplett neu. Es ist lediglich die Bedingung der Sonnenfinsternis geblieben und der Schauplatz Brocéliande, aber die Geschichte ist in einem späteren Jahrhundert angesiedelt und erzählt eine neue Handlung mit neuen Figuren. Und wie nun Merlin in die Handlung kommt, ist zwar wie ursprünglich im Exposé grob umrissen, aber auch neu angelegt worden.   Michael Marcus Thurner: Wo verortest du selbst die »Elfenzeit«-Serie? Sie ist manchmal Urban Fantasy, manchmal Romantasy, manchmal Dark Fantasy. Ich selbst mag diese Kategorisierungen gar nicht so sehr, aber für den Fachbuchhandel sind sie halt wichtig. Uschi Zietsch-Jambor: Das ist für mich ganz klar Urban Fantasy, zwar manchmal durch ein gelegentliches Setting in der Anderswelt mit anderen Elementen verknüpft, aber immer unter dem Aspekt der Hauptkategorie.   Michael Marcus Thurner: So umfangreich die »Elfenzeit« auch sein mag, ich hatte das Gefühl, dass noch längst nicht alles auserzählt sei. Grad bei den Nebenfiguren meine ich, dass sie durchaus noch den einen oder anderen zusätzlichen Band verdient hätten. Was meinst du dazu? Uschi Zietsch-Jambor: Dem stimme ich vollkommen zu. Es ist einiges nur angerissen oder umrissen worden. Da sind wir wieder bei Tom, aber auch bei den vielen anderen Nebenfiguren, seien es nun Elfen oder Menschen oder auch Götter. Es wäre noch viel Raum für eigene, sehr spannende Geschichten rund um die Welt. Aber dafür bräuchten wir einen entsprechenden Erfolg der Hauptserie.   Michael Marcus Thurner: Derzeit planst du, die insgesamt zehn Bücher im Monatsrhythmus zu veröffentlichen, als E-Book und als Printausgabe. Wird es auch eine Hörbuchausgabe geben? Uschi Zietsch-Jambor: Ja, die ersten vier Romane wurden ja damals bereits vertont und werden ebenso als Sammelausgabe wie die gedruckte Ausgabe und die E-Books am 10. Juli und am 10. August als Ausgabe 1 und 2 erscheinen. Die weiteren Bücher möchten wir natürlich auch gern vertonen, aber das kann leider nicht passend zu den anderen Erscheinungsterminen erfolgen. Da hätten wir vor über einem Jahr anfangen müssen, und da war noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Immerhin hat sich die Sprecherin der ersten vier Bände, Katharina Brenner, bereit erklärt, auch die weiteren Ausgaben zu lesen. Was natürlich toll ist, wenn wir durchgehend eine Sprecherin haben. Doch wir müssen die Termine erst noch abstimmen und natürlich die finanzielle Seite. Vielleicht können wir Anfang 2021 weitermachen! Ich hoffe es.   Michael Marcus Thurner: Die »Elfenzeit« hatte einen Serien-Nachfolger, und zwar den »Schattenlord«. Ist auch da eine Neuauflage angedacht? Uschi Zietsch-Jambor: Ja, »Schattenlord« wird nahtlos an die »Elfenzeit«anschließen, einen Monat später, ebenfalls im monatlichen Rhythmus, mit insgesamt acht Bänden. Der letzte Band enthält dann nur noch einen Roman, da es 15 Teile sind.   Michael Marcus Thurner: Du bist seit mittlerweile 33 Jahren Verlegerin. Wie sieht's denn abseits von »Elfenzeit« mit deinen Plänen aus? Was darf man sich von den Autorinnen Uschi Zietsch und Susan Schwartz in den nächsten Monaten und Jahren erwarten? Uschi Zietsch-Jambor: Als Susan Schwartz bin ich ja weiterhin eifrig bei PERRY RHODAN mit dabei, und als Uschi Zietsch werde ich in 2021, wenn ich mit den beiden großen Serien durch bin, wieder eigene Projekte schreiben und veröffentlichen. Der dritte Albalon-Band steht aus, außerdem soll es mit dem Träumenden Universum weitergehen – nach dem Abschluss der Chroniken von Waldsee werde ich mit der »Hauptgeschichte« beginnen. Außerdem möchte ich bis 2022 einen bayerischen Krimi beenden, der schon lange darauf wartet, und einen eher humorvollen Münchner Krimi, in dem auch ein Mops eine Rolle spielt. Eine weitere Idee für einen humorigen Münchner Krimi habe ich auch schon. ich werde also weiterhin gut beschäftigt sein! Und als Verlegerin werde ich Ende 2020/Anfang 2021 einen historischen Roman zu dem Thema Werwolf (oder nicht?) von Erik Hauser bringen und in 2021 die große Vampirsaga »Cold Blood« von Tanya Carpenter. Genug Arbeit!   Michael Marcus Thurner: Uschi, zum Abschluss eine persönliche Frage: Hat dich eigentlich jemals jemand »Ursula« genannt? Ich kann mir das gar nicht so recht vorstellen … Uschi Zietsch-Jambor: Das kann sich niemand vorstellen, denn ich wurde mit einer Ausnahme nie so genannt. Ich sollte, so wollte es mein Vater, Uschi heißen, aber damals waren die Standesämter noch sehr zickig, und der Standesbeamte weigerte sich rundheraus, »Uschi« einzutragen, weil das doch kein Name sei. So wurde also Ursula Susanne aus mir (jaaaaaa daher rührt das »Susan« bei der Schwartz). Es gab einen einzigen Menschen auf der Welt, der mich jemals so nennen durfte, von meiner Kindheit an bis zu ihrem Tod (nicht aus der Familie). Ach ja, dann war da noch einer, ein ungarischer Zöllner 1979 an der damals noch eisernen Grenze zurück in den Westen. Hach, diese wohlklingende Stimme mit dem weich ausgesprochenen Namen habe ich jetzt noch im Ohr...
  2. Zwei Fehler und ein Mausbiber

    Wie schon erwähnt, hat der Roman »Der Ilt muss sterben!« von Leo Lukas (PERRY RHODAN 3072) heftige Diskussionen in der Leserschaft ausgelöst. In Diskussionsforen und auf Facebook äußern viele ihr Unverständnis über den Schluss des Romans. Im »Galaktischen Forum«, der Diskussionsseite auf perry-rhodan.net, stellt sich Wim Vandemaan der Diskussion. Der Schriftsteller ist mit Christian Montillon einer der zwei Exposéautoren der PERRY RHODAN-Serie. Am Freitagabend gab es um 22.34 Uhr noch bekannt, welche zwei entscheidenden Fehler er bei der Planung begangen habe. »Was die zwei Fehler angeht – da wird mancher lächeln und sagen: Nur zwei? Bescheiden, der junge Mann. Je länger ich nachdenke, desto mehr würde ich verändern wollen; das ist meist so, diesmal besonders krass. Zumal beide Fehler auf meine Kappe gehen. Der erste: Ich habe gedacht, dass die Hinweise im Vorgängerroman, diesem Nachbau-Planeten, und die (von manchen Lesern als Lückenfüller angesehenen) Roman über den Heimflug der RAS TSCHUBAI deutlich gewesen wären. Ich versuche ja, Dinge nie aus dem Hut zu zaubern, sondern vorzubereiten. Der Fehler: Es ist mir nicht gelungen, die Bedeutungen dieser Vor-Griffe in den Vordergrund zu rücken. Dazu hat Leo Lukas das getan, worum ich ihn inständig gebeten habe: den Roman so glaubwürdig wie möglich zu scheiben - weil meine Befürchtung (Fehler 1.1) war, dass uns sonst niemand diese Geschichte glauben würde. Falsch gedacht. Der zweite Fehler ärgert mich ich mehr. Ich hole etwas aus: Wenn ein Roman fertig ist, bekomme ich ihn als Datei. Ich schaue mir an, wie wichtige Passagen ausformuliert worden sind, weil ich für Folgeexposés ja nicht (nur) auf Expos zugreife, sondern auf das, was dann gilt: den Roman. Bei der Durchsicht des Roman 3071 ist mir dabei, da ich auf Formulierungen konzentriert war, etwas entgangen: Der Roman ist weitgehend frei von Daten. Und ich habe versäumt, nachzusteuern und von vorherein klar zu machen, wie wichtig diese Daten sind. Man kann sie zwar rekonstruieren, aber wer tut das schon? Und so konnte niemandem auffallen, wie viele Tage zwischen diesen beiden Romanen liegen. Tatsächlich sind es laut Exposé sieben Tage – eine Ewigkeit. Und statt dass die Leser nun wie gewünscht spekulieren, »Was ist eigentlich in all diesen Tagen passiert?«, haben sie – empört über die Handlung – nur den Tod des Ilts wahrgenommen und konnten ja auch gar nicht anders. Das tut mir echt leid, und es ärgert mich, weil es ja meine Fehler waren. Der Effekt war jedenfalls verheerend: Statt eines Romans, bei dem ich gedacht habe, dass wir diese Vorab-Informationen, die Zweifel säen sollten, auszubalancieren, ist er in Richtung zu große Glaubwürdigkeit gekippt. Soweit die beiden gröbsten Fehler, die ich mir anrechnen lassen muss, leider.« Ein Leser stellte am selben Abend eine ergänzende Frage: »Ist gucky tot oder ein clon?« Daraufhin reagierte der Exposéautor am Samstag, 4. Juli 2020, um 0.29 Uhr: »Ich hatte gedacht, die Rückreise der RAS TSCHUBAI und die Erlebnisse dort und dann die Entdeckung des Nachbauplaneten wären deutlich, fast zu deutlich gewesen. Dazu die Strategie der Cairaner, Technologien von Superintelligenzen nicht ganz zu entsorgen, sondern zur gelegentlichen Wiederverwendung auf die Seite zu nehmen... eine Strategie, die ihnen übrigens am Ende das Leben gerettet haben dürfte.  Ihr Misstrauen, ihre Sucht nach Manipulation, Inszenierung... Im Nachhinein würde ich sagen: Manchmal hätte ich deutlicher mit dem Zaunpfahl winken sollen - oder am roten Faden zupfen, je nachdem. Und mich weniger in die Position der Cairaner versetzen, als die der Leser. So eigenartig-abziehend ich diese vierhändige, geschlagene, verjagte und verfolgte Sternenkultur finde. Das merke ich mir echt: Klarheit ist keine Schande.«
  3. Die »Elfenzeit« in einer Neuauflage– Teil 1

    Im Juli 2020 beginnt Uschi Zietsch-Jambor – den PERRY RHODAN-Lesern vor allem unter ihrem Pseudonym Susan Schwartz bekannt – damit, die »Elfenzeit«-Serie im eigenen Verlag neu zu veröffentlichen. Aus diesem Grund stellte Michael Marcus Thurner, ihr Autorenkollege, ihr einige Fragen. Das Interview bringen wir seiner Länge wegen in zwei Teilen: heute Teil eins, morgen Teil zwei.   Michael Marcus Thurner: Uschi, am 10. Juli erscheint bei dir im Fabylon-Verlag der erste Band der Serie »Elfenzeit«. Ich werde dich gleich mal in deinem Job als Verlegerin testen: Sei so lieb und fasse die Ausgangslage für die Helden der Geschichte in Buch 1 (»Herbstfall«) in drei Sätzen zusammen. Liefer mir also bitte einen »Pitch«, wie man in der Buchbranche so sagt … Uschi Zietsch-Jambor: Die Anderswelt der Unsterblichen und die Menschenwelt sind normalerweise voneinander getrennt. Doch dann bricht die Zeit über die Anderswelt herein und mit ihr die Sterblichkeit; die Grenzen zwischen den Welten fangen an, sich aufzulösen. Um dies aufzuhalten, werden Gesandte in die Menschenwelt geschickt – doch es gibt Gegner und Feinde, die mehr als nur die Unsterblichkeit wollen: die Gesamtherrschaft über alle Welten...   Michael Marcus Thurner: Ich habe auf deiner Internet-Seite nachgelesen, dass die Grundidee zu »Elfenzeit« im Zusammenspiel mit dem PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick entstand. Binnen dreier Wochen hattest du im Frühjahr 2007 anhand gemeinsam erarbeiteter Stichpunkte das Serienexposé, Charakterblätter, Schauplätze, Leseprobe und so weiter entwickelt. Für mich ist das angesichts der Größe des Projekts kaum fassbar. Hast du noch Erinnerungen daran, wie du das geschafft hast? Hattest du Unterstützung, hat dein Mann Gerald Inspirationen geliefert? Uschi Zietsch-Jambor: Ja, das war wirklich unglaublich damals. Aber irgendwie war der unerwartete Anruf von Klaus N. Frick eine Initialzündung, der eine Kettenreaktion auslöste. Er nannte mir den Serientitel und die Grundvoraussetzung – und in dem Moment sprudelten schon die Ideen in meinem Kopf über. Ich sah sofort alles vor mir und konnte gar nicht so schnell schreiben, wie die Ideen rauswollten. Tatsächlich hatte in mir schon lange der Wunsch geschlummert, eine tolle Urban-Fantasy-Serie zu machen, mit einer Weltreise zu bekannten historischen Stätten, mit der Einbindung von bekannten Sagenfiguren, Helden, Mythen... Da ich schon seit meiner Kindheit die Sagen und Legenden der Welt sammelte und reichhaltige Fachliteratur in den Bücherregalen stehen hatte, fand rasch eines zum anderen. Da kamen 16-Stunden-Tage zusammen, um aus der Vielfalt der Ideen ein Konstrukt zu machen, das den roten Faden und den Seriencharakter mit den Einzelabenteuern enthielt. Für das erste Konzept zur Vorstellung brauchte es den groben Handlungsrahmen – schließlich hatte ich nicht weniger als 20 Bände vor, was sowohl Klaus Frick als auch Bertelsmann erst mal zum Schlucken brachte –, den Inhalt des ersten Bandes, das Konzept für die drei folgenden Bände, und die Protagonisten und Antagonisten. Und dazu noch die Leseprobe – ich war wie im Rausch und konnte gar nicht mehr aufhören. Das war vermutlich eine der intensivsten kreativen Phasen meines Lebens, weil auch die Zeit so sehr drängte. Es war eine einmalige Chance, alles hing davon ab, denn wenn der Testlauf mit den ersten vier Romanen positiv verlief, so war ich überzeugt, die gesamte Geschichte bis Band 20 erzählen zu können. Diesen Raum brauchte sie nun einmal. Und was soll ich sagen: Der Testlauf war der beste, den Bertelsmann je bei so einem Projekt hatte...   Michael Marcus Thurner: Du verwendest ein sehr spannendes und interessantes Figurenensemble in der »Elfenzeit«. Auf Seiten der Menschen sticht sicherlich Nadja Oreso hervor, auf der »dunklen« Seite ist es für mich Bandorchu. Aber auch viele Nebencharaktere sind liebevoll und, vor allem, passend zur Geschichte konzipiert. Hattest du von Anfang an Lieblingsfiguren? Gab es solche, die sich beim Schreiben in den Vordergrund geschoben und andere Anta- oder Protagonisten verdrängt haben? Uschi Zietsch-Jambor: Nadja ist insofern eine Lieblingsfigur, als ich all die Abenteuer durch ihre Augen erleben kann. Sie ist selbstbewusst, optimistisch, kämpferisch, feinfühlig, ein wenig chaotisch und geht leichtfüßig durch die Welt – warum, klärt sich dann noch. Wir haben ein großes Figurenensemble, aber Nadja ist immer die lichte Zentralfigur – und der Getreue, ihr unheimlicher Gegenspieler, die dunkle Zentralfigur. Mit den beiden steht und fällt alles. Bandorchu ist absolut faszinierend, jemand, den man nie erreichen kann, majestätisch und vernichtend zugleich, eine überragende Gestalt, die im Anklang an Galadriel, hätte sie den Einen Ring genommen, »schön und entsetzlich« ist, »alle lieben sie und verzweifeln«. Den ewigen Zweifler Robert mag ich auch sehr, der wiederum einen Kontrapart in Anne Lanschie hat. Die vier Elfen muss man aufgrund ihrer Unschuld lieben. Und dann gibt es da noch Tom, den Journalisten, der für einen einzigen Auftritt in Roman 4 geplant war und nicht mal in der »Serienbibel« aufkreuzte, geschweige denn im Exposé. Ich brauchte mal eben jemanden, der Nadja in einer einzigen Szene unterstützen musste, und schwupps war er da, und schwupps ging er einfach nicht mehr weg. Er klingelte an Nadjas Tür, und egal was ich versucht habe, ihn loszuwerden, er kehrte immer wieder. Also hatte er im Verlauf der Geschichte noch eine bestimmte Funktion zu erfüllen, und das war sehr spannend, bis es dazu kam. Er ist so eine stille, eigentlich unbedeutende Nebenfigur, die jedoch Frohsinn in die dunkelsten Stunden bringt, deswegen hatte er sich auch in mein Herz geschlichen. Ein ganz anderer, den ich nicht mehr losgeworden bin, war Darby O'Gill/Alebin, der ebenfalls nur einen Auftritt in Roman 2 haben sollte, der aber seine Finger nicht mehr von Nadja lassen wollte. Es hat lang gedauert, bis wir ihn endlich zur Strecke bringen konnten; er ist nicht nur die mörderischste, sondern zugleich auch schillerndste Figur, wie ich finde.
  4. »Wer hatte die Machtmittel?«

    Nachdem der Roman »Der Ilt muss sterben!« von Leo Lukas (PERRY RHODAN 3072) in den Handel gekommen ist, gibt es heftige Diskussionen in der Leserschaft. In Diskussionsforen und auf Facebook äußern viele ihr Unverständnis über den Schluss des Romans, andere liefern ihre eigenen Spekulationen. Im »Galaktischen Forum«, der Diskussionsseite auf perry-rhodan.net, fragte ein Leser ganz direkt: »Wer hat sich Guckys grausamen Tod ausgedacht und warum sollte er sterben???« Bereits am Freitagabend, 3. Juli 2020, ging Wim Vandemaan auf die Frage ein. Der Schriftsteller ist mit Christian Montillon einer der zwei Exposéautoren der PERRY RHODAN-Serie. Hiermit einfach direkt zitiert: »Das ist eine auf den ersten Blick einfache Frage, aber die Antwort ist gar nicht so einfach. Zunächst einmal und im Vorfeld: Deine Frage impliziert, dass Gucky ermordet worden ist. Und das ist in der Wahrnehmung vieler beteiligter Charaktere auch absolut richtig. Hier war ein Mord, und er war (und zwar bestimmt in menschlichen Augen, in denen Tomopaten in ihrer Art von Aktion als grauenvolle Wesen erscheinen) abscheulich. Wenn ich die Frage jetzt einfach und kommentarlos beantwortet hätte, dann begebe ich mich damit auf den Kenntnisstand dieser Charaktere. Aber ich kann und mag diesen Charakteren nicht in jeder Beziehung Recht geben. Was der zu Tode betrübte Mann, in dessen Armen der Ilt gestorben ist, berichtet, wird man glauben. Warum auch nicht? Er lügt ja nicht und hat dazu keinen Anlass. Und wir neigen dazu, denen zu glauben, denen wir immer glauben, weil wir ihnen erfahrungsgemäß vertrauen können. Und meist ist das ja praktisch und auch ganz in der Ordnung. Also werden Atlans Freunde dem Bericht glauben, und der Bericht wird in der Milchstraße, zumal unter Menschen, einen Schock und Erschütterung auslösen. Wer die Idee außerhalb dieser Handlung hatte: ich. Ich heiße Hartmut Kasper und habe öffentlich immer wieder betont, dass die Serie für mich auf fünf (oder sieben) Figuren beruht: Auf PR, auf seinen engsten Kreis von Atlan, Gucky, Bull und Ichot Tolot, den fünf unverzichtbaren Archetypen, und, vielleicht, auf Homer G. Adams (den ich mag, weil er fast so alt ist wie ich) und NATHAN (der mir nie ganz geheuer war). Und ihr wisst (aus meinen Romanen), wie gerne ich von und mit Gucky erzähle. (Kleines PS: mein erster PERRY RHODAN-Band war Roman 232 - eines meiner Lieblingstitelbilder bis heute; schaut doch mal. Es hat was.) Wer die perfide Idee innerhalb der Handlung hatte, wer den Tod – und es ist ein fürchterlicher, empörender Tod – geplant hat, ist eine ganz andere Frage: Wer hatte die Möglichkeiten? Wer hatte die Machtmittel, dieses grauenvolle Schauspiel genau einzufädeln oder in Szene zu setzen? Wer profitiert eigentlich von diesem auf den ersten (und zweiten) Blick absolut und völlig sinnlosen Mord? Oder ist dieser Mord, so fürchterlich er ist, gar nicht sinnlos – sondern für den Täter zwar geradezu bedauerlich, aber unverzichtbar? Wenn man nicht untergehen will? Das ist jetzt eine lange Antwort, und wahrscheinlich ist sie zu kurz. Stehe für Nachfragen gerne zur Verfügung, und wenn gewünscht, nehme ich auch im Forum Stellung, wo, wie ich sehe, über diesen Roman geklagt wird, und das aus Gründen, die ich gut verstehe, und aufgrund von mindestens zwei Fehlern, die mir leider unterlaufen sind.
  5. Das Eis-Motiv und andere Ideen zu Band 3100

    Am Donnerstag, 2. Juli, veranstalteten Christian Montillon, mein Kollege als Exposéautor, und Klaus N. Frick, unser Redakteur, eine Exposébesprechung als Videokonferenz. Einer der Schwerpunkte war dabei die Planung des kommenden 3100er-Zyklus. Einige Elemente des aktuellen Zyklus zeigen ja bereits einen Vorschein auf das Kommender. Dazu gehört das Eis-Motiv, das wir in mehreren Romane haben anklingen lassen, oder das Rätsel um die Yllit oder die Geiststreiter. Von diesen Wesen hat Gucky im Zyklus »Das Atopische Tribunal« zum ersten Mal gehört, und von ihnen wird man auch in diesem Zyklus noch hören. Der andere Schwerpunkt war das vierte Dyoversum-Quartett, an dem wir eben arbeiten; die bisherigen Arbeitstitel sind »Erdkruste« und »Erdmantel«. Perry Rhodans Zeit im Dyoversum neigt sich ihrem Ende entgegen – so viel kann ich ja schon verraten –, es gilt, schwierige Entscheidungen zu treffen und Abenteuer an einem unglaublichen Ort zu bestehen. Ein weiteres Thema war die Leserkritik, zumal die Bemerkung einer Leserinnen und Leser, dass die gegenwärtigen Zustände in der Milchstraße nicht immer klar zu Tage liegen. Wir haben überlegt, wie und in welcher Form wir hier für festeren Boden im interstellaren Raum sorgen können, so dass man die beiden Handlungsorte und ihre Handlungsträger ab 3100 besser und klarer vor Augen hat. Versteht sich, dass beispielsweise die Großmächte der Milchstraße eine Rolle spielen, die es neben der Liga Freier Galaktiker und deren Lemurische Allianz gibt oder geben wird: die Arkoniden natürlich und die Herrlichkeit, also das Herrschaftsgebiet der Gataser und ihrer Bundesgenossen. Schließlich kamen die vielen anstehenden Jubiläen des nächsten Jahrs zur Sprache: Der große PERRY RHODAN-Jubiläumsband 3100 im Januar und der »kleine« Jubiläumsband 3150 (der buchstäblich eine Wendung bringen wird) rahmen das Jahr; im September feiert die Serie dann ihr 60-jähriges Jubiläum. Mal sehen, welchen Empfang wir Perry Rhodan und seinen Weggefährten bereiten können …
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